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Feder - Symbol für Gedichte,  Zitate, Maerchen...Heine, Heinrich (1797-1856)

Neuer Frühling

Mondscheintrunkne Lindenblüten,
Sie ergießen ihre Düfte,
Und von Nachtigallenliedern
Sind erfüllet Laub und Lüfte.
Lieblich läßt es sich, Geliebter,
Unter dieser Linde sitzen,
Wenn die goldnen Mondeslichter
Durch des Baumes Blätter blitzen.

Sieh dies Lindenblatt! du wirst es
Wie ein Herz gestaltet finden;
Darum sitzen die Verliebten
Auch am liebsten unter Linden.

Doch du lächelst; wie verloren
In entfernten Sehnsuchtträumen -
Sprich, Geliebter, welche Wünsche
Dir im lieben Herzen keimen?

Ach, ich will es dir, Geliebte,
Gern bekennen, ach, ich möchte,
Daß ein kalter Nordwind plötzlich
Weißes Schneegestöber brächte;

Und daß wir, mit Pelz bedecket
Und im buntgeschmückten Schlitten,
Schellenklingelnd, peitschenknallend,
Über Fluß und Fluren glitten.

 

 

 

wenn du gehn musst ....

Wenn Du gehen musst, dann geh,
aber geh nicht im Frühling.
Wenn die Tulpen blühen und die Blätter sich regen,
dann genieß ich den Segen
am liebsten mit Dir,
also bleib dann bei mir!

Und geh nicht im Sommer,
dann ist es so heiß.
Wir gießen den Garten
Und mähen im Schweiß.
Dazu brauch ich Dich hier,
also bleib dann bei mir!

Und geh nicht im Herbst,
auf gar keinen Fall!
Wenn die Blätter sich färben
Im Wald überall
Und ich mit Dir hindurch spazier...
Also, bleib dann bei mir!

Und geh nicht im Winter
Bei Schnee und Eis,
wenn alles so kahl ist
und leise und weiß...
denn dann wächst in mir
diese sehnucht nach dir
also bleib dann bei mir!

Aber natürlich : wenn Du gehen musst dann geh

 

 

Adalbert Stifter

Abschied

Nun sind sie vorüber, jene Stunden,
Die der Himmel unsrer Liebe gab,
Schöne Kränze haben sie gebunden,
Manche Wonne floß mit ihnen ab.

Was der Augenblick geboren,
Schlang der Augenblick hinab,
Aber ewig bleibt es unverloren,
Was das Herz dem Herzen gab.

 

 

 

Rainer Maria Rilke


Abschied

Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wärens alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes –, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

Friedrich Rückert

Die verworfene Liebe

Ich habe genug.
Lust, Flammen und Küsse
Sind giftig und süße
Und machen nicht klug.
Komm, selige Freiheit und dämpfe den Brand,
Der meinem Gemühte die Weißheit entwand.

Was hab ich getan!
Jetzt seh ich die Triebe
Der törichten Liebe
Vernünftiger an;
Ich breche die Fessel, ich löse mein Herz
Und hasse mit Vorsatz den zärtlichen Schmerz.

Was quält mich vor Reu?
Was stört mir vor Kummer
Den nächtlichen Schlummer?
Die Zeit ist vorbei.
O köstliches Kleinod, o teurer Verlust!
O hätt' ich die Falschheit nur eher gewusst!

Geh, Schönheit, und fleuch!
Die artigsten Blicke
Sind schmerzliche Stricke;
Ich merke den Streich.
Es lodern die Briefe, der Ring bricht entzwei
Und zeigt meiner Schönen: Nun leb ich recht frei.

Nun leb ich recht frei
Und schwöre von Herzen,
Dass Küssen und Scherzen
Ein Narrenspiel sei;
Denn wer sich verliebet, der ist wohl nicht klug.
Geh, falsche Syrene, ich habe genug!

 

 

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616-1679)

Scherz-Lied

Als die Venus neulich saße
In dem Bade nackt und bloß,
Und Cupido auf dem Schoß
Von dem Liebes-Zucker aße,
Zeigte sie dem kleinen Knaben
Alles was die Frauen haben.

Marmel-Hügel sah er liegen,
Von Begierden aufgebaut;
Sprach zur Mutter überlaut:
Wann werd ich dergleichen kriegen,
Dass mich auch die Schäferinnen
Und die Damen lieb gewinnen?

Venus lacht aus vollem Munde
Über ihren kleinen Sohn:
Denn sie sah und merkte schon,
Dass er was davon verstunde,
Sprach: Du hast wohl andre Sachen,
Die verliebter können machen.

Unterdessen ließ sie spielen
Seine Hand auf ihrer Brust:
Denn sie merkte, dass er Lust
Hatte, weiter nachzufühlen,
Bis ihr endlich dieser Kleine
Kam an ihre zarte Beine.

Als er sich an sie geschmieget,
Sprach er: Liebes Mütterlein,
Wer hat an das dicke Bein
Euch die Wunde zugefüget?
Müsst ihr Weiber denn auf Erden
Alle so verwundet werden?

Venus konnte nichts mehr sagen,
Als: Du kleiner Bösewicht,
Packe dich, du sollst noch nicht
Nach dergleichen Sachen fragen.
Wunden, die von Liebes-Pfeilen
Kommen, die sind nicht zu heilen.

 

 

 

Erich Mühsam (1878-1934)

E. B.

Du bist nicht schön, und dennoch lieb ich dich.
Du lügst, und dennoch glaub ich deinen Worten.
Nie öffnest du mir deiner Gnadenpforten
Geheiligtes, und dennoch lockst du mich.
Warum verwirrst du, was mein Wesen ist,
machst meine Wege strauchelnd und gefährlich?
Weil du mir unergründlich, unerklärlich -
und dennoch aller Rätsel Lösung bist.

 

 

 

Nur wer die Sehnsucht kennt

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach, der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

J. W. von Goethe

 

Bräutlein meiner Seele,
Bräutlein, weine nicht!
Denn ich bin der Deine,
Weine nun für dich.

Sollen immer wieder
Trübe Perlen rollen
Aus dem wundervollen
Jungen Aeuglein nieder?
Traurig wird das meine;
Bräutlein, weine nicht!
Denn ich bin der Deine,
Weine nun für dich.

Diese Perlenschätze
Mußt du heimlich halten,
Daß es nicht die kalten
Fremden Augen letze.
Ursach hast du keine;
Bräutlein, weine nicht!
Denn ich bin der Deine,
Weine nun für dich.

Ach du weißt, ich fühle
Gleich mit deinem Herzen;
Jede Glut der Schmerzen,
Die dein Herz durchwühle,
Brennt auch durch das meine.
Bräutlein, weine nicht!
Denn ich bin der Deine,
Weine nun für dich 
 

 


 

DER MAI

Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

Erich Kästner

 


 

 

 

Du bist der Käfer, ich bin der Mist
Du bist der Star, ich der Statist
Ich bin die Hose, du bist der Knopf
Du bist der Regen, ich bin ein Tropf
Du bist die Glocke, ich bin der Schwengel
Ich bin ein Teuflein, du bist ein Engel
Ich bin das Minus, du bist das Plus
Ich bin ein Tümpel, du bist der Fluss
Ich bin ein Würstchen, du gibst den Senf
Dein ist der Sieg, wenn ich kämpf
Ich bin die Gurke, du bist der Dill
Du hast das Wort, ich bin meist still
Ich bin das Unkraut, du bist der Garten
Du hast alle Zeit, ich kann warten
Du bist die Rose, ich bin der Dorn
Du bist schöner von hinten als ich von vorn
Ich bin ein Gaul, du bringst mich auf Trab
Ich bin so froh, dass ich dich hab

 

 http://www.verseschmiede.com/liebeserklaerung.htm

 

 

 

 Altes Kaminstück -
(Heinrich Heine)

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, still vertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergessne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Frauen, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehen
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehen.

Wackelnd kommt herbei geschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt -
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.